Rudern als Erwachsener erlernen

Kann ich das Rudern noch erlernen?

Erwachsene können jederzeit das Rudern neu erlernen. Es liegen, auch im Bernkasteler Ruderverein, gute Erfahrungen mit Einsteiger/innen vor, die noch nach dem 4. und auch nach dem 5. Lebensjahrzehnt mit dem Rudern begonnen haben und gesundheitlich von der Natur nahen, ganzheitlichen Bewegung profitieren.

Einzige Voraussetzung ist, dass man sicher schwimmen kann, weil zwar sehr selten – aber es kommt vor – ein Boot kentern kann.

Innerlich sollte man sich darauf einstellen, dass die ersten zwei bis drei Übungseinheiten koordinativ sehr anspruchsvoll sind, noch nicht mit viel Kraft gerudert werden kann und meist das Gefühl  vorherrscht, man könne es nie lernen. Erfahrungsgemäß ändert sich dieses Gefühl der Überforderung schnell. Schon nach 4 bis 7 Einheiten fühlt man sich der Anforderung eher gewachsen, danach überwiegt oft die Freude an der neu erlernten Bewegung.

Ein Trost für die erste, meist etwas frustrierende Phase, durch die man aber durch muss, ist es vielleicht, sich vorzustellen, man wolle erstmalig das Fahrradfahren, Schwimmen  oder Inlinern erlernen. Auch das wäre nicht sofort mit Erfolgserlebnissen verbunden. Also – etwas Frustrationstoleranz gehört am Anfang dazu, um später viel Freude haben zu können.

 

Ich bin nicht so stark und nicht sehr leistungsfähig – komme ich da überhaupt mit den anderen im Boot mit?

Zu Beginn muss die Bewegung erst gelernt werden. Das dauerte etwa – je nach Lernfortschritt – drei bis zehn Übungseinheiten auf dem Wasser. Hilfreich für den Lernprozess ist es, wenn in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter vielseitig  Sport getrieben wurde oder wenn gar immer noch andere Sportarten parallel betrieben werden. Aber es ist keine Voraussetzung. Fast jeder Mensch kann rudern lernen, wenn keine größeren Behinderungen oder Erkrankungen vorliegen, wobei auch bei Behinderungen oder Erkrankungen oft noch Rudern möglich ist. Das hängt dann vom Einzelfall ab.

Der Betreuungsaufwand ist in der ersten Zeit (3-10 Übungseinheiten) sehr hoch und von einem/r Ruderausbilder/in können nach unserer Erfahrung maximal drei Personen gleichzeitig angelernt werden. Danach können die meisten Einsteiger/innen mit den anderen Freizeitsportler/innen schon normale Trainingsausfahrten bestreiten. Diese liegen im Bernkasteler Ruderverein meist bei gut 10 km (Bootshaus bis Lieser-Ortseingang und zurück) und dauern etwa 60 bis 90 Minuten. Je nach Wetter wird nach der Wende bei Lieser ein längere Pause gemacht, in der etwas Wasser oder Apfelschorle getrunken, sich gesonnt und das Ein oder Andere besprochen wird, bevor  dann wieder mit neuem Schwung moselabwärts Fahrt aufgenommen wird. Häufig wird – und das bevorzugt bei Neueinsteigern/innen eine Steuer- und Ruderposition nach der Wende getauscht, so dass die „Neulinge“ meist nur die Hälfte der Strecke selbst rudern. Die andere Hälfte wird dann gesteuert und es werden die wesentlichen Verkehrs- und Manövrierregeln und Ruderanweisungen erlernt.

Das Tempo eines Bootes wird durch viele Faktoren bestimmt. Abgesehen von den äußeren Bedingungen und der Rudertechnik sind es z.B. die Schlagzahl, die Schlaglänge, die Durchzugskraft und der Rhythmus. Die Schlagzahl liegt dabei im Freizeitsport in einem sehr ruhigen Bereich und wird von den jeweiligen Schlagleuten auch dem Team angepasst. So muss keine/r Bedenken haben, dass er oder sie nicht mitkommt. Jedoch kann jeder selbst seine Belastung dadurch noch steuern, indem er/sie entweder kräftiger oder lockerer die Ruder durch das Wasser zieht, oder indem der den Ruderschlag länger oder kürzer gestaltet. Deshalb ist es innerhalb einer Freizeitmannschaft in den meisten Fällen möglich, dass auch bei unterschiedlichem Trainingszustand und Krafteinsatz, gemeinsam in einem Boot gerudert werden kann, ohne dass Einzelne unter- oder überlastet sind.

Wer jedoch verstärkt Interesse hat, sich höher zu belasten und dabei gesund ist, kann sich je nach Lernfortschritt nach 20 bis 50 Ruderausfahrten es zutrauen, mit Teams zu trainieren, die kleinere Wettkämpfe bestreiten und dafür auch mit höheren Schlagzahlen rudern. Hier gibt es häufig ein Intervalltraining, das das Herz-Kreislaufsystem hoch belastet und zu hohen Trainingsanpassungen führen kann. Wer erst im späteren Erwachsenenalter das Rudern erlernt hat, wird hier zu Beginn seine Schwierigkeiten bekommen. Aber auch das kann häufig noch erlernt werden, wenngleich Wettkampferfolge eher unwahrscheinlich sind, weil oft gegen Gegner/innen angetreten werden muss, die das Wettkampfrudern schon als Jugendliche betrieben haben und auch immer noch 3 bis 6 Mal die Woche trainieren. Bei Regatten zählt dann eher das Dabeisein und die Freude am gemeinsamen Tun, als die Medaillen (Ruderjargon: Radattelchen), wobei – je nach Regatta und Rennaufteilung – es auch mal der zweite oder dritte Platz sein kann.

 

 

Wie schwer ist es, das Gleichgewicht zu halten? Wie hoch ist das Risiko zu kentern?

Das Risiko zu kentern hängt eng mit der gewählten Bootsgattung zusammen. Mit Einsteiger/innen rudert man zunächst nur in sehr breiten, so genannten Gig-Booten. Dabei gilt die grob die Regel: Wenn zumindest einer im Boot (Zweier, Dreier, Vierer) gut rudern kann, passiert nichts. Im Achter müssten es mindestens vier Leute sein. Die Betreuung wird bei Einsteigern/innen entsprechend geregelt, so dass hier das Risiko einer Kenterung extrem gering ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem Gig-Boot gekentert wird, liegt im Bernkasteler Ruderverein vielleicht bei etwa einmal in fünf Jahren. In den Fällen lagen die Fehler wohl eher im Übermut und in der Vergesslichkeit. So lehnten sich z.B. einmal alle Ruderer gleichzeitig auf eine Seite beim An- oder Ablegen am Steg, ohne sich vorher abgestimmt zu haben. Oder in einem Boot mit Jugendlichen meinten diese, sie müssten alle Ruder gleichzeitig loslassen und ihre Füße in der Mosel baden. Das Risiko, in einem Gigboot zu kentern, ist also sehr gering.

 

Anders sieht es bei den deutlich schmaleren Rennbooten und insbesondere den schmalen Einern aus. Beim Erlernen des Ruderns in einem schmalen Einer wird fest davon ausgegangen, dass in einer der ersten 10 Ausfahrten mindestens einmal, eher öfter gekentert wird. Teils wird auch, wenn die Übungswilligen es wünschen, bei schönem Schwimmbadwetter, warmem Wasser und wenig Strömung das Verhalten beim Kentern und der Wiedereinstieg in das Boot eigens geübt, um mögliche Ängste zu vermeiden. Die meisten erwachsenen Einsteiger/innen könnten, vielleicht nach einem Jahr regelmäßigem Freizeitrudern, das Rudern im schmalen Einer lernen, die wenigsten trauen sich aber nach unserer Erfahrung den Lernprozess zu. Diejenigen, die es sich vorgenommen und zugetraut haben, schaffen es meist auch, nach etwa einem weiteren Jahr relativ sicher im schmalen Einer (Skiff) zu rudern, was dann auch große Freude bereitet. Eigene Lehrgänge „Skiff Ü 40“ bereiten gezielt auf die Herausforderung vor. Je nach Lerneifer und -fortschritt kann dann das Einerrudern auch wesentlich schneller erlernt werden.

Der Einsatz in größeren Rennbooten, Doppelzweier, -vierer oder Achter ist einfacher, wenn erfahrene Ruderer/innen mit bei der Balance helfen. Ruderer/innen, die sicher im Einer sind, werden gerne in Rennbooten gesehen und können sich meist problemlos eingliedern, weil sie ein gutes Gleichgewichtsgefühl besitzen. Der Freude, in einem schnellen, dynamischen Boot zu rudern, steht meist nichts mehr im Wege.

 

Es ist wichtig zu wissen, dass alle Boote selbst schwimmfähig sind und gekenterte Ruderer/innen sich am Boot festhalten sollten. Mit dem Boot zusammen, kann dann an Land geschwommen werden.

Einerfahrer/innen, die bei kalten Wassertemperaturen unterwegs sind, ziehen selbst aufblasbare Rettungswesten an. Diese befinden sich jedoch im Eigentum der/des jeweiligen Ruderers; für das normale Breitensportrudern sind Rettungswesten nicht erforderlich.